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Prof. Dr. Fred Wagner stellte die Studie „Risikomanagement im Industrieunternehmen“ auf dem GVNW Symposium 2018 vor. Lohnt sich Risikomanagement überhaupt?

Der Umgang mit „Schwarzen Schwänen“ fällt bei Unternehmen in den Bereich des Risikomanagements. Ist dieses gut aufgestellt, lässt sich auch auf unvorhersehbare Ereignisse gezielter und schneller reagieren. Aber wie wird Risikomanagement aktuell im deutschen industriellen Mittelstand gelebt? Und welchen Nutzen bringt es den Unternehmen? Eine aktuelle Studie gibt Auskunft.

Unter der Schirmherrschaft und der persönlichen Mitwirkung von Prof. Dr. Fred Wagner, Institut für Versicherungslehre an der Universität Leipzig, wurde die Studie „Risikomanagement im Industrieunternehmen – Wertbeitrag für mittelständische Unternehmen“ von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) mit Förderung der Funk Stiftung durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden im September im Rahmen des GVNW Symposiums 2018 präsentiert.

Ziel der Studie war es, das Risikomanagement im industriellen Mittelstand zu analysieren, bestehende Konzepte zu vergleichen und Weiterentwicklungspotenziale aufzuzeigen. „Wir wollten eine empirische Bestandsaufnahme machen“, führt Prof. Dr. Wagner aus. „Risikomanagement ist zwar kein neuer Begriff, aber es gibt kein vorherrschendes Konzept, was darunter zu verstehen ist.“ Und so zeigt die Studie auch, dass die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Risikomanagementsystemen im deutschen Mittelstand genauso vielfältig sind wie die Strukturen und die Unternehmenslandschaft des Mittelstands selbst.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis

Dr. Wagner

Die professionelle Etablierung eines Risikomanagementsystems kann Unternehmen dabei unterstützen, ihre strategischen Zielvorgaben umzusetzen. Die Etablierung ist allerdings immer mit einem Kostenaufwand verbunden – was die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Risikomanagementsystems aufwirft. Auch diese wird in der Studie behandelt. Dazu Prof. Dr. Wagner: „Wir haben versucht herauszubekommen, welche Wertschöpfung Risikomanagement für das Unternehmen bietet. Und wie wird diese Wertschöpfung überhaupt gemessen? Wenn sie nicht gemessen wird, kann sie auch schlecht transportiert werden. Ein Ergebnis der Studie ist, dass da vermutlich noch viel Potenzial ist.“

Risikomanagement als wertorientierte Unternehmenssteuerung

Die Aufgabe des Risikomanagements ist es, das Chancen-Risiko-Profil eines Unternehmens im Abgleich mit der Unternehmensstrategie zu optimieren. „Risikomanagement meint dabei nicht, alle möglichen Risiken weitestmöglich auszuschließen“, erläutert Prof. Dr. Wagner. „Dann schmeißen Sie auch die Chancen über Bord. Risikomanagement dient dazu, ein ausgewogenes Verhältnis zu schaffen zwischen Chancen und Risiken. Risiken zu tragen und sie zu nehmen, um der Chancen willen, wenn ausreichend Chancen bestehen. Die Chancen werden sich dann hoffentlich in einer angemessenen Rendite niederschlagen. Also ist Risikomanagement eigentlich eine wertorientierte Unternehmenssteuerung. Im Prinzip müssen wir Risiko immer im Zusammenhang mit Chancen und Rendite denken.“

Möglichkeit zur Positionierung als Mehrwert

Studie_RiskomanagementEin wesentliches Motiv für die Erstellung der Studie war, Mehrwerte für die Zielgruppe zu erzeugen. So wurde ein Set von 50 Fragen erarbeitet, das deutlich machte, welche Probleme und Themen es überhaupt rund um das Risikomanagement in mittelständischen Unternehmen gibt. Für viele der befragten Unternehmen bedeutete schon die Teilnahme an der Studie einen erheblichen Zugewinn an Wissen. „Da sind aber einige Themen aufgekommen, mit denen beschäftige ich mich jetzt hier zum ersten Mal und mit anderen beschäftige ich mich im Nachgang“, lautete die Resonanz von beteiligten Risikomanagern. „Der größte Mehrwert ist natürlich das Ergebnis der Studie“, so Prof. Dr. Wagner. „Ein Unternehmen kann sich jetzt wunderbar einordnen, wo es bei Herausforderungen des Risikomanagements positioniert ist.“

Die Studie wurde zunächst den Teilnehmern ausgehändigt und auf dem GVNW Symposium vorgestellt. Später soll sie auch einem breiteren Markt zugänglich gemacht werden. Von den Erstellern der Studie gibt es zudem bereits Überlegungen, in welche Richtung weiter analysiert und empirisch geforscht werden könnte.

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