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Sonderausgabe: Wie Corona das Risikomanagement verändert. Der Wert der Resilienz

Noch vor einem Dreivierteljahr gab es in der Diskussion um Risk Awareness und -Management im Wesentlichen ein Thema: Cyber, in all seinen Facetten.

Nach wie vor sind Cyberangriffe – laut Allianz Risk Barometer 2020 – das Nummer-1-Risiko für Unternehmen aus: Luftfahrt, Finanzsektor, öffentlicher Sektor/Behörden, Dienstleistungen, Technologie und Telekommunikation. Besonders betroffen: Kleinunternehmen.

Sicherlich sind virtuelle Angriffe, Datendiebstahl oder das Lahmlegen ganzer Produktionen absolut ernst zu nehmende Gefahren. Corona hat jedoch unseren Fokus verschoben und das Naheliegende wieder nach vorne gerückt.

Unsere Wirtschaft und Industrie sind hoch fragil – das zeigt die COVID-19 Pandemie überdeutlich. In der Vergangenheit haben wir die „Just in Time“ Philosophie immer weiter optimiert. Lieferketten wurden länderübergreifend maximal aufeinander eingestellt. Schnell und billig, lean und smart waren die Schlagwörter.

Corona verdeutlicht, was passiert, wenn ein Land oder eine Region nicht liefern kann. Die Vorräte an Zulieferprodukten sind schnell aufgebraucht und dann steht die Produktion plötzlich komplett still.

Business-Unterbrechungen werden von den 2.718 befragten Risk Management Experten im Allianz Risk Barometer im Jahr 2020 als die zweitgrößte Bedrohung für Unternehmen angesehen.

Neue Schlagwörter bestimmen die Diskussion. Auf einmal ist Resilienz gefragt und auch Redundanzen sind wieder attraktiv.

Risk Managern wird ernsthaft zugehört. Und das ist auch gut so, denn in einer Welt des immer „schneller, höher, weiter“ bleibt die Risikovorsorge oft zugunsten schlanker Prozesse und Optimierungsforderungen auf der Strecke Auch der aktuelle FERMA Report zeigt die wachsende Bedeutung des Risikomanagements zur Erhaltung und Wiederherstellung von Unternehmen in der Post-Corona-Zeit. Risikomanagement wird dabei immer mehr unter den Aspekten von Resilienz und Nachhaltigkeit gesehen.

Die Problemlandkarte wirkt auf den ersten Blick unverändert. Als Hauptrisiken werden vor allem kurz- (zwölf Monate) und mittelfristig (drei Jahre) Cyberattacken, Datendiebstahl und Betrug angesehen.

Auf Platz zwei nach den digitalen Risiken steht die unsichere ökonomische Entwicklung – kurz- wie mittelfristig. Dies spiegelt sicher auch, dass in der ausgehenden Corona-Zeit die Zukunft höchst unklar ist. Werden neue Wellen der Pandemie kommen? Wie schnell werden sich Unternehmen, Regionen oder auch ganze Länder erholen? Gibt es gar eine Neuverteilung der Wirtschaftskraft auf der geopolitischen Landkarte? Wie international bleiben die Warenströme?

Klar unter den drei Top-Risiken hat sich das Thema Nachhaltigkeit platziert. Dies gilt besonders bei einer langfristigen Betrachtung (zehn Jahre). Hauptrisiken erscheinen hier Klimawandel, Umweltschäden und extreme Wetterphänomene.

Laut Allianz Risk Barometer 2020 bewerten Risk Management Experten dieses Thema ebenfalls mit einer steigenden Dringlichkeit wahr – ein besonders großes Risiko vor allem für die Tourismus-Branche und die Landwirtschaft.

FERMA Präsident Dirk Wegener fasst in seinem Statement zusammen, was Covid-19 in den Fokus gerückt hat: digitale Risiken, ökonomische Unsicherheit und Fragen der Nachhaltigkeit. Dies gelte über alle Branchen hinweg und werde sich in seiner Bedeutung so schnell nicht ändern.

Auch der Versicherungsmarkt wird härter. 90 Prozent der befragten Risk Manager befürchten Einschränkungen oder sogar Ausschlusskriterien für bestimmte Risiken. Die überwiegende Mehrheit sieht zudem einen Druck auf die Konditionen und eine Konzentration im Versicherungsmarkt generell – mit Prämienerhöhungen.

Wie also mit Unsicherheiten umgehen oder – noch besser – sich gegen diese Unsicherheiten absichern, wenn selbst die Versicherung keinen umfassenden Schutz bietet? Zunächst einmal ist Corona längst kein schwarzer Schwan, maximal ein grauer Schwan. Denn Pandemien waren bereits von Experten mehrfach vorausgesagt worden und SARS war als Vorbote eigentlich nicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz bliebt die Frage: Was machen wir, wenn wir uns mit einem wirklichen schwarzen Schwan auseinanderzusetzen müssen?

Bereits die ersten beiden Ausgaben des BELFOR Kundenmagazin „Solutions“ thematisierten schwarze Schwäne. Zunächst einmal ist eine gute und professionelle Risikovorsorge der Anfang aller Überlegungen. Frühzeitig sollten Krisenmanagement-Pläne entwickelt und verprobt werden, bevor der es zum echten Krisenfall kommt. Die Prämisse ist, Schaden von Menschen abzuhalten und die Betriebsfähigkeit zu erhalten oder so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Betriebsstörungen sind – laut Allianz Risk Barometer 2020 – das Nummer-1-Risiko für Unternehmen aus: Chemie- & Pharmabranche, Lebensmittelbranche & Gastronomie, Schwerindustrie, Hersteller- und Zulieferer (z. B. Automotive), Öl- und Gasbranche, Energiebranche, Einzel- und Großhandel & Transport.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Krisenmanagement-Pläne spielt das „Szenario-Management“. Durch das Zusammenspiel von Zukunfts-, Risiko- und Katastrophenmanagement können zu erwartenden Szenarien entwickelt werden, auf die man sich vorbereiten kann. Zu diesen Szenarien gehören natürlich auch Cyberangriffe, aber auch klassische Auslöser wie Brände, Stürme, Erdbeben, Starkregenfälle bis hin zu biologischen Kontaminationen wie eben COVID-19.

Business Continuity ist eine Frage der Planung und damit der Reaktionsschnelligkeit im Krisenfall. Dabei ist zwar jedes Unternehmen individuell, es macht jedoch keinerlei Sinn das Rad immer grundsätzlich neu zu erfinden.

Ein simpler Fakt ist jedoch sehr real: Wenn Unternehmen sich vorbereiten und in der Lage sind, flexibel mit Risiken umzugehen, so erhöht das ganz enorm deren grundsätzliche Fähigkeiten beim Umgang mit Bedrohungen. Und es ist genau diese Resilienz, die wir brauchen, egal was kommt. Auch für einen konstruktiven Dialog mit den entsprechenden Versicherern im Sinne einer positiven Bewertung einer besseren Vorsorge.

Risiken richtig managen Haben wir aus Corona gelernt?

Die Corona Pandemie hat uns einerseits gelehrt, wie vernetzt wir heutzutage agieren und wie schnell wir in eine Krise schlittern. Andererseits müssten die Schmerzen bei den Unternehmen deutlich größer sein, um wirklich daraus zu lernen und sich für kommende Ereignisse angemessen zu rüsten, sagt Benedikt Hintze, Leitung Versicherung & Senior Referent Risikomanagement der Georgsmarienhütte Holding GmbH, mit dem Martin Schachtschneider, Head of Business Development BELFOR Deutschland, über Risikomanagement während und nach Corona gesprochen hat.

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