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Vom „Schwarzen Schwan“ zum Risikomanagement Der „Schwarze Schwan“ – wird Risiko beherrschbar?

Mit einer klaren Position gegenüber herkömmlichen Risikoanalysen vor allem der Finanzbranche analysiert Taleb, heute Distinguished Professor of Risk Engineering an der New York University, die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse und ihre Folgen. Und heute? Sind die Kernthesen von Taleb elf Jahre nach seinem Buch über „Schwarze Schwäne“ noch immer aktuell? Werden wir noch immer von unwahrscheinlichen, unmöglichen oder unerwarteten Ereignissen überrascht?

Über viele Jahrhunderte waren sich die Menschen in Europa zumindest in einer Sache einig: Schwäne sind weiß. Bis dann im Jahr 1697 tatsächlich etwas völlig Unerwartetes und Unwahrscheinliches geschah, als in Australien schwarze Schwäne entdeckt wurden. Eine einzige Beobachtung hat fest fundiertes, durch unzählige Beobachtungen bestätigtes Wissen ungültig gemacht. Natürlich könnte man diskutieren, ob solch ein schwarzer Vogel überhaupt ein Schwan sein kann – aber es soll hier nicht um die Biologie des Federviehs gehen. Vielmehr dient uns das Auftauchen des schwarzen Schwans heute als Metapher, um extrem unwahrscheinliche Ereignisse zu benennen. Und diese sind häufiger, als wir es für möglich halten!

Wie der Schwarze Schwan dem Truthahn zum Verhängnis wird.

Der Schwarze Schwan – wird Risiko beherrschbarEin sehr prägnantes Beispiel für einen Schwarzen Schwan illustriert Taleb in seinem Buch mit einem anderen Vogel, dem Truthahn. Grundlegend ist dabei die Vorstellung, dass wir aus den Erfahrungen und Erlebnissen der Vergangenheit lernen und daraus unsere Schlüsse für die Zukunft ziehen.

So auch der Truthahn: Tag für Tag wird er von freundlichen Menschen mit Futter versorgt. Jeden Tag wird er in der Erkenntnis bestärkt, dass diese Menschen ihm nur Gutes tun – und er wird dies auch für den kommenden Tag erwarten. Bis zum Tag kurz vor dem Erntedankfest, an dem in Nordamerika traditionell Truthahn aufgetischt wird. Das Auftauchen des Schlachters ist für den Truthahn das Schwarzer-Schwan-Ereignis: Es ist völlig überraschend, absolut unvorhersehbar und bringt extreme Auswirkungen mit sich. Aus der Sicht des Schlachters selbstverständlich nicht, für ihn ist es ein völlig normales, erwartetes Ereignis. Es stellt sich also die Frage, ob das, was wir beobachtet haben, ausreicht und uns in die Lage versetzt, weitere Eigenschaften eines Sachverhalts zu erschließen.

Wir wiegen uns in Sicherheit – doch das Risiko steigt.

Beunruhigend an diesem Szenario ist weiterhin, dass der Truthahn mit der Zahl der freundlichen Fütterungen immer zuversichtlicher wurde, seine zunehmende Erfahrung aus der Vergangenheit im Prinzip sein Gefühl der Sicherheit immer weiter verstärkte, obwohl der Tag der Schlachtung immer näher rückte. Allgemein gesagt: Das Gefühl der Sicherheit steigt – doch eigentlich steigt im Hintergrund das Risiko für eine grundlegende Veränderung, für einen Schwarzen Schwan. Taleb bringt es provokativ auf den Punkt: „Wir halten naive Beobachtungen aus der Vergangenheit fälschlich für etwas, was definitiv oder repräsentativ für die Zukunft ist.“

Status Risikomanagement: Solutions hat Experten befragt

Der Schwarze Schwan – wird Risiko beherrschbar_2Wir haben zum Thema „Schwarzer Schwan“, das schon auf der AIRMIC 2018 in London das übergreifende Leitmotiv war, ausführlich mit Dr. Alexander Mahnke, dem Vorstandsvorsitzenden des GVNW, und mit Prof. Dr. Fred Wagner, Institut für Versicherungslehre an der Universität Leipzig, über seine Studie „Risikomanagement im Industrieunternehmen“ gesprochen. Siehe hierzu die separaten Artikel, ebenso den zu Scenario Testing, das Sue Taylor, Schadenexpertin bei Miller Insurance Services LLP, sehr plastisch beschreibt. Bei allen drei Themen wird deutlich, dass es noch Luft nach oben gibt und es sich im Sinne der Ergebnisse innerhalb der Unternehmen lohnt, Risikomanagement einen größeren Stellenwert einzuräumen und mit Scenario Testing das Bewusstsein zu schärfen und die Handlungsfähigkeit zu steigern. Wir wünschen eine anregende Lektüre.

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