Skip to main content

Just-in-time bis nichts mehr geht? Risiken in der Supply Chain. Wie viel Ausfallzeit in der Lieferkette kann sich Ihr Unternehmen leisten?

Ein namhafter Automobilhersteller suchte vor wenigen Wochen mehr als 20.000 Parkplätze für Neufahrzeuge. Diese konnten wegen fehlender Handschuhfachklappen nicht ausgeliefert werden.

Es hatte Ende Januar 2017 bei einem Zulieferer in der Tschechischen Republik gebrannt und das vergleichsweise simple Bauteil war nicht mehr lieferbar – und wohl auch nicht aus anderer Quelle zu beziehen. Die Folge: Die Bänder standen still.

Mit 46% Anteil lag die Betriebs- und Lieferkettenunterbrechung bei den globalen Geschäftsrisiken 2015 auf Platz 1. Schon auf Rang 3 folgten Schäden durch Feuer und Explosion mit 27%. Das Fatale daran: Diese beiden Risiken gehen meistens Hand in Hand, denn ein Brand bedeutet nicht nur den oft immensen Sachschaden, sondern kann auch zu einer Betriebsunterbrechung in Teilen oder sogar im Ganzen führen. Diese wiederum kann Lieferkettenunterbrechungen bei Kunden und weiteren Unternehmen auslösen, wenn für die eigene Produktion wichtige Bauteile eines Zulieferers fehlen und nicht kurzfristig durch Alternativen ersetzbar sind.

Höchstes Risiko für Unternehmen: Betriebs- und Lieferkettenunterbrechung!

Ein Teufelskreis, bei dem sich der eigentliche Brand zu einem logistischen und produktionstechnischen Flächenbrand ausweitet, der hohe Kosten durch Vertragsausfälle mit entsprechenden Konsequenzen nach sich ziehen kann. Im schlimmsten Fall sind der Ertragsausfall und der Verlust von Marktanteilen eine existenzbedrohende Gefahr für die betroffenen Unternehmen. Vor allem Großkonzerne haben inzwischen darauf reagiert und befassen sich intensiv mit den besonderen Risiken von Zulieferketten. Supply Chain Risk Management spielt eine immer wichtigere Rolle bei der Notfallplanung (Quelle: Allianz Risk Barometer 2015).

Betriebsunterbrechungen sind bei Schadenfällen ein großer Kostenfaktor.

Kürzere Störungen oder Stillstände in der Lieferkette, wie sie durch einen einzelnen Maschinenausfall oder zeitlich begrenzte Logistikprobleme verursacht werden können, sind in der Regel schnell in den Griff zu bekommen. Kommt es jedoch zu einem Großschaden, zum Beispiel durch einen Brand in einer Produktionsstätte, sind die Folgen oft schwerwiegender. Trotz Aufbau von Notbetrieben oder Einsatz von logistischen Alternativen kann am Ende ein Schaden durch die Betriebsunterbrechung viele Millionen Euro betragen und so einen erheblichen Anteil des Gesamtschadens ausmachen. Eine solche Kostenverteilung ist wirklich keine Ausnahme: Bei Betrachtung der zehn größten Schäden seit 1962 hatte der Schaden durch die Betriebsunterbrechung einen erheblichen Anteil. Teilweise ging der Schaden durch Betriebsunterbrechungen sogar weit über den eigentlichen Sachschaden hinaus.

Schadenanteil der Betriebsunterbrechung bei den zehn größten Schäden seit 1962 1)

Die zehn größten Schäden seit 1962

1) Quelle: Schadenverhütung in der Sachversicherung 2015/2016, Bericht der GDV Sach-Schadenverhütungs-Gremien

Ein Drittel der Schäden entstehen durch Betriebsunterbrechung!

Bestätigt wird der hohe Anteil der Betriebsunterbrechungen am Schadenaufwand nicht nur durch die größten Vorfälle, sondern ebenfalls in der Betrachtung der Gesamtschadenstatistik: Im Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2015 machten Betriebsunterbrechungen 33%2) des Schadenaufwands aus. Ganz klar: Wenn nicht produziert werden kann, kann nicht geliefert werden. Wenn nicht geliefert werden kann, kommt es zu Ertragsausfällen. Es entsteht ein Teufelskreis, der hohes finanzielles Durchhaltevermögen erfordert und nur durch schnelles Eingreifen und eine zielgerichtete, individuelle Strategie durchbrochen werden kann.

Anteil betriebsunterbrechungen

 

betriebsunterbrechungen2)Quelle: Schadenverhütung in der Sachversicherung 2015/2016, Bericht der GDV Sach-Schadenverhütungs-Gremien

Die Kettenreaktion kommt in Gang: Unterbrechung von Lieferketten.

Betriebsunterbrechungen im direkt zum Beispiel durch einen Brand geschädigten Unternehmen bleiben aber nicht die einzigen Folgen. Häufig sind bei einer Störung der heute weit verzweigten Netze von Produktionsprozessen auch Lieferanten und Kunden betroffen. Bei einem solchen Schadenfall geht es also bei allen in der Lieferkette betroffenen Unternehmen darum, Ausfälle zu vermeiden. Nicht zuletzt sind auch die bestehenden Vertragsklauseln zu beachten, die möglicherweise Regressforderungen beinhalten. Auch der Verlust von Großaufträgen bei verschiedensten Unternehmen der Lieferkette ist ein ernstes Risiko. Wie eingangs schon erwähnt, wird die Betriebs- und Lieferkettenunterbrechung mit 46% der Nennungen als größtes Risiko für Unternehmen eingeschätzt (Allianz Risk Barometer 2015).

Single Source in der Supply Chain wird zum Risiko-Katalysator.

Meistens ist es allerdings nicht nur eine Ursache, wie ein Brandschaden, der für in die Supply Chain involvierte Unternehmen zum Verhängnis werden kann. In der Regel löst das Zusammenspiel verschiedenster Faktoren, die in der Supply Chain möglicherweise zu wenig berücksichtigt wurden, die Folgeschäden durch Betriebsunterbrechung bis zum Zusammenbruch der Lieferkette aus. Eine Ursache ist zum Beispiel die Fixierung auf einzelne Zulieferer. Single Source in der Supply Chain mag zwar stark Kosten senkende Wirkung haben, doch bei Störungen fehlen schnell die Alternativen. Die Anfangs genannte Situation eines Automobilherstellers ist dafür ein Paradebeispiel. Klar Stellung bezieht der Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer im Interview zu solch riskanten Aufstellungen der Supply Chain: „Es ist ja idiotisch, wenn ein Autobauer Single Source macht!“, prangert der Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen an.

Lieferkettenausfall durch einseitige Logistik.

Nicht nur der Aspekt der Produktion verdient Berücksichtigung in der Beurteilung der Supply Chain Risiken. Auch der Transport der zuzuliefernden Waren kann ins Stocken geraten und die Arbeit in einem Werk zum Stillstand kommen lassen. Single Source Logistik sollte also ebenfalls möglichst vermieden werden, zum Beispiel indem man bewusst die Transporte auf Schiene und Straße verteilt. Wird ein Bahngleis unterbrochen, kann zumindest ein Teil, zeitlich begrenzt, über LKW-Transporte aufgefangen werden. Selbstverständlich ist dies auch von Art und Umfang der angelieferten Produkte abhängig.

Supply Chain Risiken erkennen, Konsequenzen ziehen, Notfallpläne ergänzen!

Produktionsabläufe und Fertigungsprozesse in einem Unternehmen sind heute meist Teil eines komplexen, weit verzweigten und oft internationalen Netzes aus Material-, Produkt- und Datenströmen sowie Dienstleistungen. Es ist daher notwendig, nicht nur die unmittelbaren Zulieferer zu prüfen, sondern die Lieferkette sollte auch in der Tiefe durchleuchtet werden. IT-gestützte Analysen können heute helfen, die Risiken einer Betriebsunterbrechung zu identifizieren und auch hochkomplexe Zusammenhänge und Abhängigkeiten verdeutlichen sowie Alternativen aufzeigen. So können mit diesen Informationen gezielt Maßnahmen bis hin zu konkreten Notfallplänen umgesetzt werden. Ziehen Sie Konsequenzen: Eine Betriebsunterbrechung bei nur einem Glied der Supply Chain kann zu Umsatzeinbrüchen führen, die in kürzester Zeit existenzbedrohlich werden können. Versicherungen können hier nur für finanzielle Schäden und Verluste aufkommen. Der Verlust von Marktanteilen ist in aller Regel nicht versicherbar! Unternehmen sollten daher vorausschauend agieren und Fertigungsprozesse sowie Lieferanten- und Kundenverbindungen genau unter die Lupe nehmen.

Supply Chain Risiken – diese 5 Fakten sollten Sie im Auge behalten:

  • Die Betriebs- und Lieferkettenunterbrechung lag bei den globalen Geschäftsrisiken 2015 mit einem Anteil von 46 %1) auf Platz 1
  • 33 %2) des Schadenaufwands, im Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2015, hatte seine Ursache in Betriebsunterbrechungen
  • Single Source Zulieferung und einseitige Ausrichtung der Logistik können Störungen in der Supply Chain verschärfen
  • Über IT-gestützte Analysen ist es heute möglich, versteckte Risiken in der Supply Chain aufzudecken und zu minimieren
  • Wappnen Sie sich mit aktuellen und zweckmäßigen Notfallplänen und greifen Sie dazu auch auf professionelles Know-how durch spezialisierte Firmen zurück!

Lieferketten Force Majeure, was tun?

Wirken äußere, unvorhersehbare und vom Lieferanten nicht beeinflussbare Umstände auf die Erfüllung einer Lieferverpflichtung gegenüber dem Kunden ein, so stellt sich regelmäßig die Frage, wer für dadurch hervorgerufene Störungen haftet.

FacebookLinkedInTwitterMailArrow UpArrow LeftArrow RightGallery